Miltenberg ist ein klassisches Tagesziel am Main. Busse und Schiffe halten am Ufer, die Gäste laufen durch die Hauptstraße, und am frühen Abend wird es in der Altstadt spürbar ruhiger. Genau dann lohnt sich ein zweiter Rundgang: dieselben Gassen, aber ohne Gegenverkehr. Was abends in Miltenberg möglich ist, hängt weniger von Öffnungszeiten ab als davon, in welcher Reihenfolge man läuft.
Zuerst nach oben, solange es hell ist
Die Burg Miltenberg liegt über der Stadt, und der Weg dorthin führt aus dem Altstadtkern heraus und bergauf. Wer hinauf will, plant das besser an den Anfang des Abends. Von oben sieht man, warum der Ort so schmal gebaut ist: Der Main auf der einen Seite, der bewaldete Hang auf der anderen, und dazwischen kaum Platz. Die Rückkehr ins Zentrum geht danach bergab und vergeht schnell.
Der Alte Marktplatz ohne Publikum
Der Alter Marktplatz (Schnatterloch) ist das Bild, das man von Miltenberg kennt: ein ansteigender Platz, auf drei Seiten von Fachwerkhäusern gefasst, oben abgeschlossen vom Schnatterlochturm, durch den der Weg zur Burg führt. Tagsüber steht man hier zwischen Stativen und Reisegruppen. Am Abend kann man sich in die Mitte stellen und den Platz als Ganzes sehen — inklusive der Schräge, die auf Fotos meistens verloren geht.

Fachwerk liest sich besser ohne Menschen davor
Die Miltenberger Altstadt Fachwerke entlang der Hauptstraße sind am Abend erst richtig zu erkennen. Ohne parkende Autos und ohne Passanten vor den Sockeln sieht man die Konstruktion: die vorspringenden Obergeschosse, die schiefen Ständer, die unterschiedlichen Geschosshöhen zweier direkt benachbarter Häuser. Tagsüber steht man zu nah und sieht Details; abends bekommt man die Reihe als Ganzes ins Blickfeld.
Auf demselben Stück Straße liegt der Staffelbrunserbrunnen, dessen Name auf den Spitznamen der Miltenberger anspielt. Er ist klein und geht im Tagesbetrieb zwischen Schaufenstern unter — abends ist er einer der wenigen Punkte, an denen überhaupt noch etwas zu hören ist.
Der Main als Rückweg
Für den Rückweg ist die Uferpromenade Miltenberg die bequemste Linie: flach, gerade, ohne Steigung, mit der Altstadt auf der einen und dem Wasser auf der anderen Seite. Von hier aus sieht man die Stadtsilhouette, die man in den engen Gassen nie zu Gesicht bekommt. Am Ende steht das Zwillingstor Mainbrücke Miltenberg, das den Übergang zum Fluss markiert und einen guten Schlusspunkt für die Runde abgibt.

Ein praktischer Hinweis zur Reihenfolge: Burg und Turm gehören an den Anfang, Hauptstraße und Promenade ans Ende. Umgekehrt steht man bei einsetzender Dunkelheit am Hang statt am Wasser.
Eine Runde ohne Karte
Alle genannten Stationen liegen so, dass sie sich zu Fuß in einer Schleife verbinden lassen, ohne zurückzulaufen. Der selbstgeführte Rundgang von CityWalkGems geht genau diese Reihenfolge und stellt an jeder Station eine Frage — was am Abend den Vorteil hat, dass man ein konkretes Detail sucht, statt im Halbdunkel an der Fassade vorbeizulaufen.

