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Auf den Spuren von Römern und Begynen: Ein Spaziergang durch die älteste Stadtgeschichte von Tongern

Auch bekannt als: Tongres

Wer sich für einen Stadtrundgang durch Tongern entscheidet, wandelt nicht einfach durch eine gewöhnliche Provinzstadt, sondern durch die älteste urbane Siedlung des Landes. Unter dem heutigen Straßenbild verbergen sich mächtige archäologische Erdschichten. Einst marschierten römische Legionäre über die fruchtbaren Lössböden des Haspengaus, während Jahrhunderte später Begynen und Bürgerschützen der Stadt ihren ganz eigenen Stempel aufdrückten. Tongern vergegenwärtigt seine Geschichte nicht durch künstliche Rekonstruktionen, sondern durch greifbare Fundamente aus Stein, mittelalterliche Wehranlagen und eine Jahrhunderte alte Handelstradition, die bis heute quicklebendig geblieben ist.

Von Atuatuca Tungrorum zur Legende von Ambiorix

Der Ausgangspunkt dieser Stadtgeschichte liegt tief im Erdreich verborgen. In einem unscheinbaren Wohnviertel nahe der Keversstraat stießen Archäologen auf die massiven Fundamente eines weitläufigen Heiligtums aus den ersten nachchristlichen Jahrhunderten. Es sind die stummen Zeugen von Atuatuca Tungrorum, jener Siedlung, die bereits zur römischen Kaiserzeit als zentraler Verwaltungs- und Kultort im Norden Galliens diente.

Wer verstehen möchte, was sich einst auf diesen Böden abspielte, kommt am Gallo-Römischen Museum nicht vorbei. Hinter der modernen Glasfassade, die den historischen Stadtkern spiegelt, decken Hunderttausende Exponate den Bogen von prähistorischen Jägern über gallische Stämme bis hin zu römischen Soldaten ab. Eines der rätselhaftesten Ausstellungsstücke bleibt das geheimnisvolle bronzene Zwölfflach – das Dodekaeder –, dessen genauer Verwendungszweck Archäologen noch immer vor ungelöste Rätsel stellt.

Draußen auf dem zentralen Marktplatz (Grote Markt) blickt eine der berühmtesten Gestalten jener Epoche streng auf die Passanten herab: die bronzene Statue von Ambiorix, bewehrt mit Hörnerhelm und erhobener Streitaxt. Im Jahr 54 v. Chr. brachte dieser König der Eburonen anderthalb römischen Legionen in einem geschickt gelegten Hinterhalt eine verheerende Niederlage bei. Auch wenn Julius Caesar anschließend erbarmungslos Vergeltung übte, wuchs der Krieger im 19. Jahrhundert zu einem belgischen Nationalsymbol des Widerstands heran.

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Zwei Verteidigungsringe entlang der Ufer der Jeker

Tongerns Militärgeschichte lässt sich eindrucksvoll an den steinernen Festungsbauten ablesen, die sich im Laufe der Jahrhunderte grundlegend wandelten. In der Römerzeit besaß die Stadt eine Wehrmauer mit einem Umfang von über viereinhalb Kilometern. Nach Germaneneinfällen und verheerenden Bränden erwies sich dieses Areal jedoch als viel zu weitläufig, um wirksam verteidigt zu werden, woraufhin sich die Bewohner auf ein deutlich kompakteres Stadtgebiet zurückzogen.

Erst um 1240 entstand der steinerne Mauerring, der noch heute das Stadtbild prägt. Schichten aus Feuerstein und Kalkstein kennzeichnen die robusten Mauern, die Tongern vor feindlichen Truppen aus dem benachbarten Fürstbistum Lüttich schützen sollten. Wo einst Pikeniers auf den hohen Wällen patrouillierten, erstreckt sich heute ein Grüngürtel, auf dem Einheimische mit Blick auf die uralten Mauerreste spazieren gehen.

Am Südrand der Befestigungslinie, eingebettet ins Grüne nahe dem Kulturzentrum De Velinx, ragt der Velinxturm auf. Er bewachte einst die sumpfige Flussaue der Jeker – ein natürliches Hindernis, das feindliche Kavallerie kaum durchdringen konnte. Weiter entlang des Weges steht das imposanteste Relikt dieser Wehranlagen: die Moerenpoort. Dieses Stadttor aus Sandstein aus dem 14. Jahrhundert überdauerte als einziges von ursprünglich sechs Stadttoren die Zeiten. Schießscharten, Falltüren und Fallgatter dienten damals der strengen Kontrolle der Zugangsstraße aus Richtung Lüttich; heute beherbergt der Wehrturm ein Museum zur Festungsgeschichte der Stadt.

Die Stille des Begijnhofs und der Ruf des Marktes

Wer durch die Stadttore in Richtung Jeker wandert, betritt eine vollkommen andere Welt. Im Beginenhof St. Katharina verebbt das Getöse des Stadtverkehrs augenblicklich zwischen Treppengiebeln und kopfsteingepflasterten Gassen. Diese ummauerte Gemeinschaft entstand im 13. Jahrhundert und funktionierte über Jahrhunderte hinweg als eigenständige Enklave – samt eigener Kirche, Spital und eigener Brauerei. Sie gilt als einer der ältesten erhaltenen Beginenhöfe in den historischen Niederlanden.

In den stillen Gassen veranschaulicht das Museum Beghina den Alltag der Frauen, die hier einst lebten. Ohne ewige Klostergelübde abzulegen, führten die Beginen ein bemerkenswert selbstbestimmtes und frommes Leben. Das erhaltene Interieur aus dem 17. Jahrhundert mit Kräuterkammern, einem traditionellen Backhaus und historischen Webstühlen zeugt von ihrer wirtschaftlichen Unabhängigkeit in der mittelalterlichen Gesellschaft.

Die besinnliche Stille des Beginenhofs steht im reizvollen Kontrast zum geschäftigen Treiben andernorts in Tongern. Bereits in den frühen Morgenstunden füllen sich die Straßen an Markttagen mit Händlern und Sammlern zum berühmten Antik- und Trödelmarkt. Mit Hunderten von Ständen voller Silber, Uhren und historischem Spielzeug hat er sich zum größten Markt seiner Art in den Benelux-Ländern entwickelt. So begegnen sich antike Kostbarkeiten aus aller Welt und das sportliche Erbe von Institutionen wie Cercle Tongeren – wo sich Generationen von Fans seit über einem Jahrhundert rund um Fußballplatz und Radrennbahn versammeln – in einer Stadt, die ihre Wurzeln nie aus den Augen verliert.


Die hier beschriebenen Orte bieten nur einen ersten Einblick in das reiche Erbe, das in den Straßen von Tongern bewahrt wird. Entlang der gesamten Route entdecken Sie viele weitere Geschichten, architektonische Details und historische Zusammenhänge, an denen man sonst leicht vorbeigehen würde. Laden Sie die App CityWalkGems herunter, wählen Sie den Rundgang durch Tongern und erkunden Sie alle verborgenen Facetten dieser römischen Festungsstadt in Ihrem eigenen Tempo.

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