Veszprém, spektakulär auf steilen Dolomitfelsen am Rande des Bakonywaldes erbaut, unterscheidet sich spürbar von den meisten Städten Mitteleuropas. Wo sich viele historische Orte horizontal in die Weite der Ebenen ausdehnten, erzwingt die zerklüftete Landschaft hier ein faszinierendes Wechselspiel zwischen Höhen und Tiefen. Wer einen Stadtspaziergang durch Veszprém unternimmt, entdeckt schnell den markanten Dialog zwischen dem herrschaftlichen Burgberg voller barocker Residenzen und den tiefen, stillen Schluchten des darunterliegenden Bachtals.
Der Burgberg zwischen Barockpracht und kühlen Kellern
Die Silhouette von Veszprém wird durch den langgestreckten Burgberg geprägt. Am Eingang zu diesem befestigten Hochplateau steht der Feuerturm (Tűztorony), der über Generationen hinweg die Sicherheit der Stadt garantierte. Das Bauwerk spiegelt auf einen Blick die wechselvolle Baugeschichte der Stadt wider: Der wuchtige, runde Sockel stammt noch aus dem Mittelalter, während die schwungvolle Barockhaube zu Beginn des 19. Jahrhunderts hinzugefügt wurde. Von der Brüstung aus überwachten Brandwächter Tag und Nacht die Umgebung, um beim geringsten Rauchzeichen mit Laternen und Fahnen Alarm zu schlagen.
Weiter entlang der schmalen Burggasse erhebt sich inmitten pastellfarbener Palais die monumentale Dreifaltigkeitssäule. Bischof Márton Padányi Biró ließ diese barocke Gedenksäule 1750 aus Dankbarkeit darüber errichten, dass die Stadtbevölkerung vor erneuten Epidemien verschont geblieben war. Bis heute wachen die skulpturalen Heiligenfiguren über den zentralen Platz der Burg.
Hinter den stattlichen Fassaden des Burgviertels verbirgt sich jedoch auch eine weitaus düstere Geschichte. Tief unter dem Gerichtsgebäude befinden sich die kalten Steingewölbe des ehemaligen Burggefängnisses. Über Jahrhunderte hinweg schmachteten hier Verurteilte hinter massiven Gittern und schweren Eichentüren. Die Dauerausstellung „Mensch hinter Gittern“ veranschaulicht die kargen Haftbedingungen und erzählt die Schicksale von Gesetzlosen und politischen Häftlingen, die hier unter der Erde ihre Strafen verbüßten.
Die nördliche Bastion und die Stille des Felsens
Am äußersten nördlichen Ende des Burgbergs verengt sich das Kalksteinplateau zur Landzunge des Benedek-hegy (Benediktberg). Hier knirscht der nackte Dolomit unter den Sohlen, während der Wind ungehindert über die tiefe Schlucht des Séd-Bachs in Richtung des Bakonywaldes weht.
Dieser Felsausläufer blickt auf eine lange, andächtige Vergangenheit zurück. Jahrhundertelang diente das weiße Felsplateau nicht nur als strategischer militärischer Aussichtspunkt, sondern auch als Ruhestätte für die Toten, die hier bestattet wurden. Die freie Lage hoch über der Landschaft verleiht diesem Ort eine friedvolle, fast greifbare Stille.
Das grüne Tal der Séd
Von den hochgelegenen Felskämmen fällt das Gelände steil in das geschützte Tal des Séd-Bachs ab. Wo oben die Winde herrschen, empfangen einen unten tiefe Ruhe und Vogelgesang. Im Park História kert erinnert der Lauf des Wassers an einstige Geschäftigkeit: Einst trieb die Strömung des Baches zahlreiche Getreidemühlen an. Heute ist das Tal eine schattige Oase mit Uferwegen und einer Freilichtbühne für Konzerte.
Ein Stück weiter flussabwärts teilt sich das Wasser um die Liebesinsel (Szerelem-sziget), ein lauschiges, über Holzbrücken erreichbares Eiland. Trauerweiden neigen sich hier sanft über das Wasser. Die Insel ist seit Generationen ein beliebter Rückzugsort für alle, die dem Trubel entfliehen und am plätschernden Wasser flanieren möchten.
In einer malerischen Biegung des Bachtals ragen die Margarethenruinen (Margit-romok) aus dem Grün empor. Diese freistehenden gotischen Spitzbögen sind die Überreste eines Dominikanerinnenklosters, das im 13. Jahrhundert von Bischof Bertalan gegründet wurde. Der Ort birgt eine besondere historische Aura: Die spätere heilige Margareta von Ungarn, Königstochter, verbrachte hier ihre frühesten Kindheitsjahre in tiefer Frömmigkeit, bevor sie in das Kloster auf der Haseninsel im heutigen Budapest übersiedelte.
Blickt man von der Harmat utca an der steilen Felswand empor, eröffnet sich an einem Aussichtspunkt ein atemberaubendes Panorama über die Schlucht. Die geschwungenen Betonbögen des St.-Stephans-Viadukts überspannen in schwindelerregender Höhe die Schlucht, während sich im Hintergrund die historischen Türme des Burgbergs vor den bewaldeten Höhenzügen abzeichnen.
Die Dynamik der Unterstadt
Am Fuße des Burgbergs wandelt sich das Wesen Veszpréms von Neuem. Der dreieckige Marktplatz mit seinem markanten Brunnen bildete von jeher das wirtschaftliche Herz der Siedlung; hier kamen einst Bauern und Händler aus dem Umland zusammen, um Getreide und lokalen Wein feilzubieten. Heute ist der Platz ein lebendiger Treffpunkt, gesäumt von Cafés und Außenterrassen rund um das fließende Wasser.
Die Verbindung zwischen den geschichtsträchtigen Höhen und dem modernen Stadtleben bildet der Szabadság tér (Platz der Freiheit). Hier steht, umrahmt von Grünflächen und Fahnenmasten, das Millenniumsdenkmal. Es erinnert an das Jahr 1896, als Ungarn mit monumentalen Bauwerken im ganzen Land die tausendjährige Landnahme zelebrierte.
Wer die Ursprünge der Region ergründen möchte, findet im nahegelegenen Dezső-Laczkó-Museum faszinierende Einblicke. Das monumentale Säulenportal führt zu Ausstellungsräumen voller archäologischer Funde und prähistorischer Fossilien, die der namensgebende Geologe und Pädagoge in den umliegenden Kalksteinhügeln ausgegraben hat. Im Museumsgarten steht zudem ein originalgetreu erhaltenes Bauernhaus mit charakteristisch weiß getünchten Wänden, das anschaulich vermittelt, wie das dörfliche Leben rund um Veszprém über Jahrhunderte hinweg aussah.
Weiter schlendern
Diese Auswahl vermittelt nur einen kleinen Vorgeschmack auf die Vielfalt, die sich auf den Kalksteinfelsen und in den Bachtälern von Veszprém verbirgt. Wer den Rundgang in der App CityWalkGems startet, wird zu vielen weiteren versteckten Durchgängen, historischen Geheimnissen und faszinierenden Aussichtspunkten geführt – und entdeckt so Schritt für Schritt die faszinierenden Facetten dieser altehrwürdigen Bischofsstadt.
- 11 Stationen
- Veszprém, Benedict tip Startpunkt
- ~4,4 km Streckenlänge
- ~712 m längster Abschnitt
- ca. 1,5–2,5 Std. Dauer
- Kostenlos

