Auf einem Höhenrücken über der Yonne gelegen, präsentiert Auxerre eine markante Silhouette aus Türmen und historischen Dächern. Die burgundische Stadt hat ihren mittelalterlichen Grundriss weitgehend bewahrt, sodass man hier mühelos von einer Epoche in die nächste spaziert. Wer einen abwechslungsreichen Stadtrundgang durch Auxerre unternimmt, spürt schnell, wie lebendig die Geschichte im Straßenbild verankert ist: von karolingischen Wandmalereien und gotischen Spitzbögen bis hin zu den Erinnerungen an den einst florierenden Flusshandel.

Mittelalterliche Vorkragung und das Räderwerk der Oberstadt
Der Bergrücken wird von der Cathédrale Saint-Étienne beherrscht. Auf dem Vorplatz fällt sofort die Asymmetrie des Bauwerks ins Auge. Während der Nordturm hoch über die Silhouette der Altstadt aufragt und sich mit gotischen Spitzbögen schmückt, fehlt dem Südturm der gesamte Oberbau. Im 16. Jahrhundert brachten die Religionskriege und chronischer Geldmangel die Bauarbeiten endgültig zum Erliegen, weshalb die Fassade bis heute unvollendet geblieben ist.
Unweit der Kathedrale taucht das Straßennetz tief ins Mittelalter ein. In der Rue Fécauderie, bei Hausnummer 23, steht ein bemerkenswertes Fachwerkhaus aus dem 15. Jahrhundert mit sichtbaren Eichenbalken. Das Gebäude veranschaulicht die damalige Bautechnik der Auskragung: Jedes Stockwerk ragt ein Stück weiter über die schmale Gasse hinaus. Innerhalb der engen Stadtmauern gewannen die Bewohner auf diese raffinierte Weise wertvollen Wohnraum.
Ein Stück weiter bildet der Tour de l'Horloge einen weithin sichtbaren Orientierungspunkt. Dieser Torturm war ursprünglich Teil der Befestigungsanlagen von Auxerre. Im Jahr 1483 ließ die Bürgerschaft dort eine astronomische Uhr installieren. Wer unter dem steinernen Bogen hindurchgeht, hört noch immer das Ticken des jahrhundertealten Mechanismus. Zwei getrennte Zeiger zeigen zeitgleich den Lauf der Sonne und die aktuellen Mondphasen an.
Auf dem Pflaster am Platz erinnert eine Bronzestatue an einen illustren Bewohner: Guillaume Rousselle, besser bekannt als Cadet Rousselle. Dieser Gerichtsdiener des 18. Jahrhunderts war in der Stadt für den Erwerb seltsamer, windschiefer Immobilien berüchtigt. Sein exzentrischer Lebensstil inspirierte ein spöttisches Volkslied, das von revolutionären Soldaten aufgegriffen und in ganz Frankreich verbreitet wurde.
Gedenken, Ruhe und bürgerliche Eleganz entlang der Boulevards
Wo einst der äußere Verteidigungsring verlief, säumen heute breite Boulevards die Altstadt. Entlang des Boulevard Davout steht das Monument aux morts. Die skulptierten Figuren bilden eine würdevolle Gedenkstätte für die Bürger, die in den großen Konflikten des 20. Jahrhunderts ihr Leben ließen. Der Platz rund um das Denkmal bietet eine Oase der Ruhe im städtischen Gefüge und lädt zu einem Moment des Innehaltens ein.
Die Boulevards führen auch zu Orten, die das kulturelle Erbe von Auxerre beleuchten. An der Rue d'Égleny öffnet sich das Tor des Musée Leblanc-Duvernoy, das in einem Stadtpalais des 18. Jahrhunderts untergebracht ist. Im Inneren herrscht die gediegene Atmosphäre eines großbürgerlichen Wohnhauses mit seltenen Beauvais-Wandteppichen, historischer Keramik und einer Sammlung alter Musikinstrumente. Gleich in der Nähe präsentiert das Muséum d'Auxerre eine naturkundliche Sammlung, eingebettet in einen botanischen Garten des 19. Jahrhunderts mit alten Bäumen und Blumenbeeten unmittelbar vor dem steinernen Altstadtkern.
Nahe dem Stadtzentrum liegt die Passage Soufflot verborgen. Dieser mit Elementen des 19. Jahrhunderts gestaltete Durchgang verbindet zwei Straßen und ehrt Jacques-Germain Soufflot. Der berühmte Architekt wurde in der Nähe von Auxerre geboren und erlangte mit dem Entwurf des Pariser Panthéon weltweiten Ruhm.
Karolingische Spuren und das Schifferleben an der Yonne
Zurück am Fluss zieht der Tour Saint-Jean die Blicke auf sich. Dieser freistehende romanische Turm mit einer steinernen Turmspitze aus dem 12. Jahrhundert überstand den Abriss der Vorhalle der ehemaligen Abteikirche. Unter der Erde birgt er einen der bedeutendsten historischen Schätze Frankreichs: karolingische Krypten mit Fresken aus dem 9. Jahrhundert.
Am Fuße des Hügels erreicht die Route das Ufer der Yonne. Der Place Saint-Nicolas besticht durch seinen ganz eigenen Charakter, während Platanen Schatten auf die Fassaden werfen. Über Jahrhunderte war dies der Treffpunkt der Binnenschiffer, die den heiligen Nikolaus als ihren Schutzpatron verehrten. Von diesem Platz aus starteten riesige Holzflöße flussabwärts über Yonne und Seine, um Paris mit Brennholz zu versorgen.
Der Quai de la Marine präsentiert sich heute als lebendige Uferpromenade. Wo früher hunderte Holzschiffe voller Getreidesäcke und Weinfässer aus dem burgundischen Hinterland anlegten, laden nun Straßencafés zum Verweilen ein – mit Blick auf das sanfte Wasser, in dem sich die Türme der Oberstadt spiegeln. Von der Brücke aus wacht das Denkmal von Paul Bert über den Fluss. Als Physiologe und Bildungsminister legte der in Auxerre geborene Staatsmann das Fundament für das kostenlose und laizistische Schulwesen in Frankreich. Seine Statue markiert einen wunderbaren Aussichtspunkt auf die Kais und das Wasser.
Diese Auswahl an Orten gewährt nur einen ersten Einblick in die Vielfalt von Auxerre. Die vollständige Route führt an vielen weiteren versteckten Passagen, historischen Anekdoten und architektonischen Details vorbei, die Sie in Ihrem eigenen Tempo erkunden können. Öffnen Sie die App CityWalkGems, wählen Sie den Stadtrundgang durch Auxerre und lassen Sie sich zu allen Höhepunkten dieser Stadt an der Yonne geleiten.
- 12 Stationen
- Start frei wählbar
- ~3,7 km Streckenlänge
- ~865 m längster Abschnitt
- ca. 1,5–2 Std. Dauer
- Kostenlos

