Wer durch die weiten Ebenen Nordfrankreichs reist, erblickt Laon schon aus kilometerweiter Entfernung. Auf einem hundert Meter hohen Kalksteinrücken thront die befestigte Oberstadt weithin sichtbar über der umliegenden Landschaft. Mit ihren kilometerlangen Wehrgängen, mittelalterlichen Toren und tief eingeschnittenen Tälern wirkt das historische Zentrum wie eine Insel am Himmel. Ein abwechslungsreicher Stadtrundgang durch Laon führt durch eine vielschichtige Vergangenheit, die von keltischen Funden bis hin zu königlichen Belagerungen reicht.

Steinerne Lasttiere und das Erbe der Templer
Die Silhouette der Oberstadt wird seit Jahrhunderten von der Cathédrale Notre-Dame de Laon geprägt. Dieser frühgotische Riese entstand Ende des zwölften Jahrhunderts am höchsten Punkt des Höhenrückens. Ein außergewöhnliches Detail schmückt die oberen Turmöffnungen: Dort blickt eine Reihe steinerner Ochsen und Lasttiere auf die weite Ebene hinab. Die Baumeister setzten den Arbeitstieren dieses ewige Denkmal als Dank für den mühsamen Transport der schweren Kalksteinquader, die vom Fuß des Hanges hinaufgeschleppt werden mussten.
Unweit der Kathedrale zeigt das Musée d'art et d'archéologie de Laon, wie tief die Wurzeln dieses Ortes reichen. Hinter einem stillen Klosterhof verbirgt sich eine ehemalige Templerkomturei. Im Innenhof steht bis heute die achteckige Kapelle aus dem zwölften Jahrhundert, in der die Ordensritter einst zusammenkamen. In den Vitrinen des Museums zeugen feine griechische Vasen und keltischer Schmuck, die Archäologen in den umliegenden Hügeln freigelegt haben, von uralter Besiedlung.
Bollwerke über dem Tal
Am Rand des Plateaus weicht die Sakralarchitektur wehrhaften Festungsbauten. Die Promenade de la Citadelle folgt dem Wehrgang entlang der östlichsten Bastionen. Von dieser Felskante blickt man hundert Meter senkrecht hinab auf Pappeln und Felder, die sich bis zum Horizont erstrecken. Die dahinterliegende Zitadelle wurde im Auftrag von König Heinrich IV. erbaut. Nach der Belagerung von 1594 ließ er die Festung mit mächtigen Mauern aus Ziegel und Kalkstein errichten – nicht nur zur Verteidigung der Region, sondern vor allem, um die aufständischen Bürger von Laon im Zaum zu halten. Über Jahrhunderte diente das Areal als Kaserne und Garnison.
Wer den südlichen Festungsmauern in Richtung des Ardon-Tals folgt, erreicht zunächst die von Linden gesäumte Promenade de la Couloire. Ein Stück weiter bewacht die Porte d'Ardon aus dem dreizehnten Jahrhundert den Zugang zum Plateau. Dieses wuchtige Stadttor wird von mächtigen Rundtürmen flankiert. Die Wagenspuren, die sich unter dem gotischen Spitzbogen tief in den Stein eingegraben haben, zeugen von jener Zeit, als dieser Durchgang das streng bewachte Haupttor der Stadt war.
Hinter dem Tor folgt die kopfsteingepflasterte Rue Serurier dem mittelalterlichen Straßenverlauf. Hier steht das ehemalige Rathaus der Kommune, erkennbar an seinem zierlichen Eckerker. Tief unter den Bürgerhäusern der Nachbarstraßen erstrecken sich weitläufige unterirdische Steinbrüche, die einst das Baumaterial für die Stadt lieferten.
Gedenken am Hang und ein schiefer Wehrturm
Auf der Nordseite des Felskamms wandelt sich der Charakter des Festungswegs. Direkt am steilen Abhang des Mont de Vaux steht das Monument aux Martyrs des Camps de Concentration. Diese schlichte Gedenkstätte am Klippenrand erinnert an die Bürger von Laon, die im Zweiten Weltkrieg in Konzentrationslager deportiert wurden und nie zurückkehrten. Von der steinernen Plattform blickt man in vollkommener Stille über die nördliche Ebene.
Weiter westlich entlang der Stadtmauer folgt eines der bemerkenswertesten Verteidigungswerke: die Tour Dame Ève aus dem dreizehnten Jahrhundert, auch bekannt als der Schiefe Turm von Laon. Durch jahrhundertelange Erdbewegungen am Hang hat sich der wuchtige Bau spektakulär geneigt, ohne je einzustürzen. Allen Belagerungen und Erdrutschen zum Trotz thront der Turm heute als markantes Wahrzeichen an der Ringmauer und bietet weite Ausblicke über den Bergrücken.
Die hier beschriebenen Sehenswürdigkeiten vermitteln nur einen ersten Eindruck von den Schätzen auf dem Plateau von Laon. Auf dem vollständigen Rundgang lassen sich zahlreiche weitere Wehranlagen, versteckte Gänge und geschichtsträchtige Winkel entdecken, die der Stadt ihren einzigartigen Charakter verleihen. Die komplette Route mit allen Hintergrundgeschichten ist in der CityWalkGems-App zu finden.
- 12 Stationen
- Cathédrale Notre-Dame de Laon Startpunkt
- ~4,5 km Streckenlänge
- ~708 m längster Abschnitt
- ca. 1,5–2,5 Std. Dauer
- Kostenlos

