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Belfry of Bergues, Bergues
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Bergues zu Fuß: Kopfsteinpflaster, Festungsanlagen und nordfranzösische Geschichte

Foto: Gzen92 · CC BY-SA 4.0

Unmittelbar hinter der französisch-belgischen Grenze liegt Bergues – ein Städtchen, das man schon von weitem an seiner markanten Silhouette erkennt. Wer Bergues zu Fuß erkundet, taucht in ein kompaktes historisches Zentrum ein, in dem Jahrhunderte militärischer und bürgerlicher Geschichte spürbar geblieben sind. Umgeben von kilometerlangen Erdwällen und ruhig plätschernden Grachten bietet die Stadt faszinierende Einblicke in die Funktionsweise und Beständigkeit strategischer Festungsstädte in Französisch-Flandern.

Marble Gate, Bergues
Foto: Marc Ryckaert (MJJR) · CC BY 3.0

Das Herz der Stadt: Glockenspiel und Filmkulissen

Zentraler Ausgangspunkt eines jeden Rundgangs ist der von Kopfsteinpflaster gesäumte Marktplatz. Sobald das Glockenspiel erwacht, erfüllen helle Töne die Gassen rund um den Belfried. Dieser Turm blickt auf eine bewegte Geschichte zurück: Nach schweren Zerstörungen im Zweiten Weltkrieg wurde das Bauwerk Stein für Stein nach den Originalentwürfen aus dem 16. Jahrhundert wiedererrichtet. Heute bildet er erneut den stolzen Mittelpunkt des städtischen Lebens.

Unweit des Belfrieds zieht eine Fassade die Blicke auf sich, die Filmfans sofort vertraut sein dürfte. Ein Kommunalgebäude am Platz diente nämlich als Kulisse für Dany Boons Kinohit Willkommen bei den Sch’tis. Für die Dreharbeiten verwandelte es sich in das chaotische Postamt des Ortes, was Bergues weit über die Landesgrenzen hinaus berühmt machte.

Nur wenige Schritte weiter veranschaulicht die Kirche Saint-Martin eine weitere Facette des Wiederaufbaus. Nachdem wiederholte Brände und Kriegsschäden das Gotteshaus heimgesucht hatten, entstand das Kirchenschiff neu – in einer harmonischen Symbiose aus gotischen Formen und der Wiederaufbauarchitektur des 20. Jahrhunderts. Das gedämpfte Tageslicht, das durch die hohen Maßwerkfenster fällt, unterstreicht die lichten Proportionen dieses wiedererstandenen Gotteshauses.

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Auf den Spuren der Mönche und mittelalterlichen Wasserwege

Östlich des Zentrums erstrecken sich weite Grünflächen um die Überreste der alten Abtei Saint-Winoc. Während der Französischen Revolution fiel der weitläufige Klosterkomplex größtenteils der Zerstörungswut zum Opfer. Lediglich zwei einsame Türme trotzten dem Abriss: ein wuchtiger quadratischer Wehrturm und ein schlanker, spitz zulaufender Turm. Als markante Landmarken ragen sie über die Wiesen und zeugen von der einstigen religiösen Strahlkraft der Abtei in der Region.

Wasser spielte durch die Jahrhunderte eine Schlüsselrolle für Versorgung und Verteidigung. Am sogenannten Marmortor (Marmerpoort) treiben Blätter sanft unter einem massiven Steinbogen hindurch. Einst versperrten hier schwere hölzerne Fallgatter feindlichen Booten den Versuch, unbemerkt über den Kanal ins Stadtinnere vorzudringen. Etwas weiter am Kai liegt der ehemalige Schlachthof (Ancien Abattoir). Seine niedrige Fassade spiegelt sich malerisch im Wasser – ein Gruß aus jenen Zeiten, als Kähne die wichtigsten Lebensadern für den Warentransport darstellten.

Noch weiter zurückliegende Verteidigungsspuren offenbart die Tour Moyenâgeuse. Dieser Turmrest aus verwittertem Sandstein und solidem Mauerwerk stammt aus einer Ära vor dem Aufkommen moderner Erdwall-Bastionen. Damals verließen sich die Bewohner auf hohe Wachtürme aus Stein, um anrückende Truppen in der flachen flämischen Landschaft frühzeitig zu sichten.

Fünf Kilometer Festungswälle: Von spanischer Herrschaft bis Vauban

Ein Besuch in Bergues führt unweigerlich an der eindrucksvollen Festungsarchitektur vorbei: Die Stadt besitzt eines der besterhaltenen Wehrsysteme Nordfrankreichs. Über fünf Kilometer grasbewachsene Böschungen, Bastionen und Wälle umschließen den alten Kern bis heute lückenlos.

Auf dem Rundweg passiert man Tore und Schanzen, die den Wandel der Festungsbaukunst veranschaulichen. Die Porte aux Boules, erkennbar an den wuchtigen Steinkugeln auf dem Portal, erinnert an jene Epoche, in der spanische wie französische Landesherren die Stadt militärisch abriegelten. Wenig weiter wölbt sich die Tour des Couleuvriniers mit ihrer halbrunden Mauer über den dunklen Festungsgraben. Einst bezogen hier Schützen mit Feldschlangen (frühen Handfeuerwaffen) Stellung, um herannahende Angreifer entlang der Wallflanken unter Beschuss zu nehmen.

Als unangefochtener Höhepunkt der Festungswerke gilt die Porte de Cassel im Süden. Unter der Regie des berühmten Festungsbaumeisters Sébastien Le Prestre de Vauban wurde dieser Zugang grundlegend erneuert und mit stattlichen Sandsteinpilastern sowie der königlichen Sonneninsignie Ludwigs XIV. veredelt. Als repräsentativer Abschluss der Wehranlagen Richtung Cassel demonstriert das Tor bis heute die Prachtentfaltung, mit der Frankreichs Krone seine Nordgrenze sicherte.

Weiter flanieren durch Bergues

Die hier vorgestellten Stationen sind nur ein Vorgeschmack auf all das, was sich innerhalb und auf den Stadtmauern entdecken lässt. Auf einem vollständigen Spaziergang durch Bergues erwarten Sie viele weitere architektonische Details, historische Geheimnisse und beschauliche Plätzchen am Wasser. Wenn Sie die gesamte Tour samt Hintergrundgeschichten und interaktiver Wegführung erleben möchten, wählen Sie einfach die Bergues-Route in der App CityWalkGems.

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