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Znojmo underground, Znojmo
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Znojmo: Wachposten über der Thaya

Foto: Jan Beránek · CC BY-SA 3.0

Auch bekannt als: Znojmo

Morový sloup, Znojmo
Foto: Palickap · CC BY-SA 4.0

Hoch über den Mäandern der Thaya, unweit der österreichischen Grenze, thront Znojmo. Wer durch seine Straßen spaziert, spürt unmittelbar, dass diese südmährische Stadt über Jahrhunderte ein strategisches Bollwerk darstellte. Kalkplateaus, tiefe Flusstäler und wuchtige Festungsmauern prägen das Gesicht des historischen Kerns, der zudem fest in einer uralten Weintradition verwurzelt ist. Ein wohlüberlegter Stadtrundgang durch Znojmo führt vorbei an mittelalterlichen Wehranlagen, unterirdischen Zufluchtsorten und romanischen Kunstschätzen, die in Mitteleuropa Seltenheitswert besitzen.

Unterirdische Fluchtwege und Barock auf dem Hauptplatz

Auf den ersten Blick verströmt der Hauptplatz von Znojmo vor allem Beschaulichkeit und geschäftiges Treiben. Inmitten des Kopfsteinpflasters erhebt sich die schlanke Morový sloup, die barocke Pestsäule. Dieses Monument wurde im späten 17. Jahrhundert aus Dankbarkeit über das Erlöschen verheerender Seuchen errichtet. Von ihrer Spitze blickt die Statue der Unbefleckten Empfängnis auf das wöchentliche Marktgeschehen herab, das hier bis heute stattfindet.

Das eigentliche Geheimnis des Platzes verbirgt sich jedoch unter dem Pflaster. Aus den Lüftungsgittern strömt spürbar kühle Luft empor: der Zugang zum berühmten unterirdischen Gängesystem von Znojmo. Ab dem 14. Jahrhundert begannen die Bewohner, ihre Keller miteinander zu verbinden und immer tiefer in den Felsboden zu graben. Schließlich entstand ein fast dreißig Kilometer langes Labyrinth aus Gängen, Vorratskammern und Zufluchtsräumen. Dieses System ermöglichte es der Bevölkerung, langwierige Belagerungen und verheerende Brände unbemerkt und sicher auszusitzen, während das Leben über Tage stillstand.

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Ein dreifacher Verteidigungsgürtel

Über der Erde erinnern die imposanten Stadtbefestigungen an die militärische Vergangenheit der Grenzstadt. König Přemysl Otakar I. ließ einen dreifachen Gürtel aus Wehrmauern und tiefen Gräben anlegen, um die Markgrafschaft Mähren vor Einfällen aus den österreichischen Landen zu schützen. Entlang der Kollárova-Straße ist die Tiefe des mittelalterlichen Festungsgrabens noch heute eindrucksvoll spürbar. Wo einst Wachposten patrouillierten und das Herannahen feindlicher Truppen beobachteten, ziehen sich heute friedliche Spazierwege an wehrhaften Türmen und Wehrgängen entlang.

Auch die jüngere Geschichte hinterließ im Befestigungsbereich deutliche Spuren. Im nahen Palach-Park steht das Kopal-Denkmal, ein Obelisk aus dem 19. Jahrhundert, gekrönt von einer geflügelten Victoria. Es ehrt Karl von Kopal, einen Offizier aus der Region, der 1848 während des Italienfeldzugs fiel. Etwas weiter entlang der schattigen Promenade befindet sich das sogenannte Pomník vítězství, im Volksmund „Ivan“ genannt. Diese Statue eines behelmten Soldaten wurde nach dem Mai 1945 zum Gedenken an den Einmarsch der Roten Armee aufgestellt. Beide Monumente veranschaulichen die vielschichtigen politischen und militärischen Zäsuren dieser mitteleuropäischen Grenzregion.

Zwischen Industriegeschichte und der Gránice-Schlucht

Westlich des Stadtzentrums fällt das Gelände steil in das Bachtal der Gránice ab. Unmittelbar vor den steinernen Stadtmauern liegt der Přírodní dětský park Gránice, ein Waldpark, der bereits zu Beginn des 20. Jahrhunderts mit gewundenen Wegen und Holzspielgeräten am plätschernden Wasser angelegt wurde. Hoch über dem Tal ragt eine markante Felskante empor, auf der das Polish Stone Monument steht. Dieser Gedenkstein erinnert an polnische Truppenteile, die hier während der napoleonischen Kriege ihr Lager aufschlugen. Von der Felskuppe öffnet sich ein weiter Blick über die dichten Wälder der Talhänge.

Unten an der Thaya offenbart Znojmo eine ganz andere Facette seiner Geschichte. In einer ehemaligen Wassermühle und Gerberei befindet sich das Muzeum motorismu. Drinnen liegt der Geruch von poliertem Chrom und Maschinenöl in der Luft: Die Sammlung umfasst Dutzende historische Motorräder, Automobile und Traktoren aus der Zwischenkriegszeit. Sie setzt einen nüchternen, technischen Kontrapunkt zu den sakralen und adeligen Bauten auf dem Felsplateau.

Landesherrliche Macht und Panoramablick über die Thaya

Zurück auf dem Felsgrat gipfelt Znojmos Geschichte im Areal der Stadtburg. In einem erhaltenen Burgflügel präsentiert das Südmährische Museum archäologische Funde von der Steinzeit bis ins Mittelalter. Der Vorhof gewährt weite Blicke in die tiefe Flussschlucht, doch das bedeutendste Kulturgut steht auf der obersten Terrasse: die romanische Katharinenrotunde aus dem 11. Jahrhundert. Diese Rundkapelle aus Bruchstein birgt einzigartige Fresken, welche den Stammbaum der Přemysliden-Herrscher darstellen – ein für die mittelalterliche Wandmalerei außergewöhnlich seltenes weltliches Sujet.

Nur wenige Schritte weiter befindet sich die Felsbrüstung bei der Wenzelskapelle. Dieses Bauwerk aus dem 15. Jahrhundert ist zweistöckig ausgeführt: eine gotische Unterkapelle, über der sich ein barocker Aufbau erhebt. Vom Aussichtspunkt blickt man auf die markante Flussschleife, die die Thaya hier um die Felsen zieht, gesäumt von terrassierten Weinbergen, die vom jahrhundertealten südmährischen Weinbau zeugen.

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